„Mein leben als Fotograf begann in den Straßen der Stadt. New York mit seinen verschiedenartigen Kulturen und Orten stellte für mich jeden Tag eine neue Herausforderung dar. Tagsüber fotografierte ich mit meiner 9 x 12 cm Zeiss Ikon, meine Nächte verbrachte ich in der Dunkelkammer oder in Diskussionen mit anderen Studenten und Fotografen. Ich war besessen davon.

Viele Jahre habe ich als fest angestellter und auch als freier Photograph für ein breites Spektrum von Publikationen gearbeitet. Die Aufträge und meine persönlichen Projekte führten mich kreuz und quer durch die Stadt, immer auf der Suche nach dem menschlichen Antlitz von New York. Ich photographierte Menschen in den Subways und am Strand von Coney Island, Anstreicher auf der Brooklyn Bridge, im East River schwimmende Kinder. Ich photographierte das Nachtleben und die Gewalt, die working class und die upper class. In jenen Tagen durchstreifte ich die Stadt, überall, zu jeder Tages- und Nachtzeit, und es gab nur wenige Situationen, in denen ich mich in Gefahr fühlte.

Die Stadt war mein Zuhause. Wenn ich auf diese Phase meines Lebens zurückblicke, wird mir bewusst, dass ich Zeuge einer Zeit war, die heute nicht mehr existiert, eine unschuldigere Zeit. Und obwohl ich weiß, dass die Stadt sich verändert hat, dass die Straßen dreckiger und schäbiger geworden sind, ist ihre Energie, ihre Dynamik, die ich so liebe, noch vorhanden. Wohin auch immer ich gehe, ich werde stets zurückkommen, um New York zu photographieren. Natürlich waren „die guten alten Zeiten“ nicht immer heiter und leicht. Es gab auch Armut, Rassismus, Korruption und Gewalt in diesen Tagen, aber irgendwie vertrauten wir darauf, alle Möglichkeiten zu haben. Wir glaubten an die Zukunft.“


Arthur Leipzig, in der Einleitung zu seinem Buch Growing Up in New York, 1995